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Embryotransfer auf Gestüt Horänder

Hans Horänder hat in Zusammenarbeit mit Frau Tanja Groh, die als Tierärztin über große Erfahrung in der Durchführung des Embryotransfers verfügt, auf seiner Deckstation alle Voraussetzungen für eine Embryo-Entnahme-Einheit (EEE) mit EU-Zulassung geschaffen. Denn was in anderen Ländern schon längst zum veterinärmedizinischen Standard gehört, hinkt in Deutschland, vor allem aber in Bayern nach wie vor noch deutlich hinterher:

Für Else Hermine Schnell, Züchterin des Hengstes Dominy  v. Diamond Hit, der Ende Januar 2015 auf den Süddeutschen Hengsttagen für Furore sorgte und zum Prämienhengst gekürt wurde, kommt dieses Angebot genau richtig. Dominys Mutter, die Elite- und Staatsprämienstute Parole d’honneur war bereits im Jahr 2004 Siegerin ihrer Feldleistungsprüfung in Ansbach und in den folgenden Jahren Seriensiegerin in Dressurprüfungen der Klassen A und L. Die Pour PlaisirTochter konnte nicht nur sportlich, sondern insbesondere auch züchterisch überzeugen, was ihre Gene besonders wertvoll macht. Bislang wurde sie fünfmal mit dem Oldenburger Hengst Diamond Hit angepaart und brachte nun bereits den 3. (!) süddeutsch gekörten Sohn in Folge hervor. Ende Januar gelang Parole d’honneur mit dem umjubelten Strahlemann Dominy das Triple. Dieser mit einem grandiosen Bewegungspotential ausgestattete Fuchshengst wechselte bei der anschließenden Auktion für 110.000 Euro in das Dressurpferde Leistungszentrum Lodbergen und man darf 2016 auf seinen ersten Fohlenjahrgang gespannt sein. Nachdem Else-Hermine Schnell aus Burgthann offenbar eine richtige „Hengst-Macherin“ im Stall stehen hat, kommt ihr die Möglichkeit des Embryotransfers auf dem benachbarten Gestüt Horänder sehr gelegen.

 

Ein Interview:

Frau  Schnell,  Sie  möchten  in  diesem  Jahr  erstmals  den  Embryotransfer  für  ihre  Zucht  nutzen. Warum?

Schnell: Ganz einfach, ich stelle mir vor, ich bekomme  meinen Hengst in 2- oder 3-facher Ausfertigung, das ist doch ein sehr verlockender Gedanke, meinen Sie nicht? Seine Mutter Parole d‘honneur, die ich auch selbst gezogen habe, brachte bisher ausnahmslos erstklassige Nachzucht. Drei ihrer Fohlen waren Hengste, die in Serie gekört wurden. Parole bringt einfach traumhafte Fohlen mit ganz viel Qualität und da wünscht man sich als Züchter, dass man innerhalb des Jahrgangs vielleicht mehr als ein Fohlen gewinnen und so wertvolle Gene noch einmal potenzieren kann.

Frau Groh, was sagen sie als Tierärztin der station Horänder dazu? ist das realistisch?

Tanja Groh: Ich war acht Jahre lang auf Gestüten in Brasilien tätig und habe dort mehr als 130 Embryos pro Jahr transferiert. Dort ist das nichts Besonderes mehr und absolut Gang und Gäbe. Der Embryotransfer bietet dem Züchter beispielsweise die Möglichkeit, aus besonders wertvollen Stuten innerhalb eines Jahres mehr als nur ein Fohlen zu züchten, wie das ja auch der Wunsch von Frau Schnell ist. Darüber hinaus kann man natürlich auch mit Stuten züchten, die weiter im Sport gehen sollen oder mit Stuten, die gesundheits- oder altersbedingt selbst nicht mehr in der Lage sind, ein Fohlen auszutragen.

Was ist dabei zu beachten?

Tanja Groh: Wichtig   beim   Embryotransfer   ist   vor   allem   die   sorgfältige   Auswahl   der   Empfängerstute. Sie sollte gesundheitlich einwandfrei sein, von der Größe her zur Spenderstute passen, dabei sind plus minus zehn Zentimeter Größenunterschied vertretbar, sie sollte richtige  „Muttereigenschaften“ besitzen und über ein gutes Interieur verfügen, denn schließlich prägt sie das Fohlen in den ersten Lebensmonaten.

Wie funktioniert der Embryotransfer genau?

Tanja Groh: Zunächst   werden   Spender-   und   Empfängerstute   synchronisiert,   damit   sie   sich   im   gleichen Zyklusstand befinden. Dies geschieht üblicherweise durch entsprechende Hormongaben. Nach erfolgreicher Besamung der Spenderstute dauert es sechs bis acht Tage, bis die Gebärmutter gespült wird. Wurde  ein  Embryo  gewonnen,  kann  dieser  in  die  entsprechend  vorbereitete  Empfängerstute überführt, das heißt durch den Gebärmuttermund eingesetzt werden.

Und wie geht es dann weiter?

Tanja Groh: Die Spenderstute wird nach der Spülung in der Regel gleich wieder zur Rosse gebracht und der Vorgang beginnt von neuem. Bei der Empfänger- oder Rezeptorstute hingegen ist am zehnten Tag nach dem Embryotransfer feststellbar, ob die Übertragung geglückt ist. Nach meiner Erfahrung geschieht das in weit über 60 % der Fälle. Weitere Untersuchungen folgen am 30., 45., 60. und 90. Tag – ist bis dahin alles positiv verlaufen, ist das Weitere einer „normal erworbenen Trächtigkeit“ gleichzusetzen.

So weit, so gut – aber was kostet denn das Ganze?

Tanja Groh: Die Kosten variieren von Fall zu Fall, aber man kann als Anhaltspunkt von einem Richtwert  in Höhe von circa 2.300 bis 2.500 Euro ausgehen. Dazu kommen natürlich noch die Kosten für den stationären Aufenthalt beider Stuten im Gestüt Horänder, die Kosten für den Samen sowie gegebenenfalls Leihgebühren für die Empfängerstute, wenn diese gewünscht oder erforderlich ist.

Und woher bekommt man eine Empfängerstute, wenn man selbst  keine zweite Stute besitzt?

Tanja Groh: Im  Gestüt  Horänder  steht  derzeit  bereits  ein  Pool  von  fünf bis sechs ausgewählten  Leihstuten zur Verfügung, den Herr Horänder bei Bedarf selbstverständlich gerne auch weiter ausbaut und die Stuten den Züchtern zur Verfügung stellt.

Herr Horänder, was hat sie dazu bewogen, die Voraussetzungen für den Embryotransfer auf ihrer Station zu schaffen?

Horänder: Aus meiner Sicht kommen wir mit dieser Biotechnologie dem Ziel einen Schritt näher, uns künftig mehr auf die Zucht mit leistungs-geprüften Topstuten zu konzentrieren. Sporterfolgreiche Mütter beeinflußen nicht nur in erheblichem Maße die Qualität unserer Reitpferde, deren Fohlen sind auch auf den Märkten sehr gefragt. Insgesamt gesehen aus meiner Sicht der richtige Schritt in eine dauerhafte, zukunftsfähige Entwicklung. 

(13.04.2015)
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